Ratgeber · Kiefer & Biss
Kiefer knackt: harmlos oder ein Grund zur Abklärung?
Warum das Kiefergelenk knackt, wann das harmlos ist und bei welchen Zeichen Sie es untersuchen lassen sollten.
Dr. med. dent. Bodo S. von GadomskiZahnarzt · Gründer der CMD-Klinik
Inhalt · 9 Fragen
Ein knackendes Kiefergelenk erschreckt viele, weil das Geräusch direkt neben dem Ohr entsteht. Meist ist es harmlos. Hier steht, wie Sie das einordnen, und wann eine Abklärung sinnvoll ist.
Warum knackt mein Kiefer?
Kurz beantwortetMeist, weil die kleine Knorpelscheibe im Kiefergelenk beim Öffnen kurz verrutscht und beim Weiteröffnen zurückspringt. Auch eine überlastete Muskulatur kann das Gelenk ungleichmässig führen.
Im Kiefergelenk liegt zwischen Gelenkkopf und Schädelbasis eine Knorpelscheibe, der Diskus. Sie gleitet bei jeder Bewegung mit. Liegt sie leicht verschoben, springt sie beim Öffnen oder Schliessen hörbar zurück. Dieses Knacken ist sehr häufig.
- Pressen und Knirschen, die das Gelenk dauerhaft belasten
- verspannte Kiefermuskulatur, die den Unterkiefer ungleich führt
- sehr weites Öffnen, etwa beim Gähnen oder grossen Bissen
- eine Überbeweglichkeit des Gelenks
Ist Kieferknacken gefährlich?
Kurz beantwortetIn den meisten Fällen nicht. Ein Knacken ohne Schmerzen und ohne eingeschränkte Mundöffnung muss nicht behandelt werden.
Das Geräusch wirkt laut, weil das Kiefergelenk direkt vor dem Gehörgang liegt. Über die Gesundheit des Gelenks sagt die Lautstärke wenig aus. Entscheidend ist, ob Schmerzen, Einschränkungen oder andere Beschwerden dazukommen.
Nicht jedes Knacken braucht eine Therapie. Wer Ihnen bei einem schmerzfreien Knacken ohne Einschränkung eine aufwendige Behandlung empfiehlt, sollte das gut begründen können.
Wann sollte ich mit Kieferknacken zum Zahnarzt?
Kurz beantwortetWenn Schmerzen dazukommen, die Mundöffnung eingeschränkt ist, der Kiefer hängen bleibt, das Gelenk reibt statt knackt oder sich der Biss verändert.
- Schmerzen im Gelenk, vor dem Ohr oder in der Kiefermuskulatur
- eingeschränkte Mundöffnung oder ein Abweichen des Unterkiefers zur Seite
- Hängenbleiben: Der Mund lässt sich kurz nicht weiter öffnen oder schliessen
- Reiben oder Knirschen im Gelenk statt eines kurzen Knackens
- ein veränderter Biss, die Zähne passen plötzlich anders aufeinander
- nach einem Unfall oder Schlag auf Kinn oder Gesicht
- zusätzliche Beschwerden wie Kopfschmerz, Ohrdruck oder Nackenverspannung
Lässt sich der Mund plötzlich gar nicht mehr öffnen oder schliessen (Kiefersperre), gehört das sofort in zahnärztliche Behandlung.
Mein Kiefer knackt beim Kauen und Gähnen. Was tun?
Kurz beantwortetDas Gelenk schonen: kleine Bissen, beidseitig kauen, beim Gähnen die Öffnung bremsen, kein stundenlanges Kaugummikauen. In Ruhe die Zähne lösen.
- feste Speisen in kleine Stücke schneiden, nicht in einen ganzen Apfel beissen
- auf beiden Seiten kauen
- beim Gähnen die Zunge an den Gaumen legen oder die Hand locker unters Kinn
- Kaugummi, Nägelkauen und Kauen auf Stiften lassen
- Wärme auf die Kiefermuskulatur, wenn sie verspannt ist
Sanfte Übungen zur kontrollierten Mundöffnung finden Sie im Beitrag CMD selbst lindern.
Mein Kiefer knackt nur auf einer Seite. Was bedeutet das?
Kurz beantwortetDas ist häufig und nicht automatisch ernster. Meist betrifft das Verrutschen der Knorpelscheibe nur ein Gelenk.
Achten Sie vor dem Spiegel darauf, ob der Unterkiefer beim Öffnen zur Seite abweicht und ob die Seite schmerzt. Ein einseitiges Knacken mit Schmerz oder Abweichung sollte untersucht werden, ein schmerzfreies nicht unbedingt.
Mein Kiefer knackt und schmerzt. Was steckt dahinter?
Kurz beantwortetHäufig eine Überlastung von Kiefermuskulatur und Kiefergelenk, also eine CMD. Ob eher Muskel oder Gelenk beteiligt ist, zeigt eine Untersuchung.
Schmerz und Knacken zusammen sind ein Grund für eine Funktionsdiagnostik. Dabei werden Bisslage, Muskelaktivität und Bewegung gemessen. Die Behandlung beginnt in der Regel schonend: Entlastung, Physiotherapie, je nach Befund eine Schiene.
Was sonst zu einer CMD gehören kann: Welche Symptome hat man bei CMD?
Was ist der Unterschied zwischen Knacken und Reiben?
Kurz beantwortetKnacken ist ein kurzer Klick, meist durch die Knorpelscheibe. Reiben ist ein raues, knirschendes Geräusch und kann auf Veränderungen der Gelenkflächen hinweisen. Reiben sollte untersucht werden.
Ein reibendes Geräusch über die ganze Bewegung kann ein Zeichen für Abnutzung im Gelenk sein, zum Beispiel eine Arthrose des Kiefergelenks. Das ist kein Grund zur Panik, aber einer für eine Untersuchung.
Kann man Kieferknacken loswerden?
Kurz beantwortetNicht immer, und es ist auch nicht immer nötig. Ziel der Behandlung ist ein schmerzfreies, gut bewegliches Gelenk, nicht unbedingt ein lautloses.
Wenn die Muskulatur entspannter arbeitet und das Gelenk entlastet ist, wird das Knacken bei manchen leiser oder seltener. Bei anderen bleibt es, ohne dass es stört. Eine Garantie, dass das Geräusch verschwindet, kann niemand seriös geben.
Mein Kiefer knackt im Ohr. Hat das mit dem Ohr zu tun?
Kurz beantwortetMeist nicht. Das Kiefergelenk liegt direkt vor dem Gehörgang, deshalb hören Sie das Knacken „im Ohr“. Kommen Ohrdruck oder Ohrgeräusche dazu, lohnt eine Abklärung beider Seiten.
Für Ohrbeschwerden bei CMD ist eine Assoziation belegt, keine Ursache. Ohrbeschwerden gehören deshalb zuerst zur HNO-Ärztin. Findet sich dort nichts, kann das Kiefersystem mitbeurteilt werden.
Hörsturz, plötzlicher Hörverlust oder akuter Schwindel: sofort ärztlich abklären lassen.
Weitere Fragen, schon beantwortet
Grundlagen
- Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD), Gelenkgeräusche und Diskusverlagerung
- Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD)
- Übersichtsarbeiten zu Ätiologie, Chronifizierung und Haltung, wie auf unseren Seiten für Fachpersonen zitiert
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Abklärung. Ein Geräusch allein ist keine Diagnose. Bei Schmerzen oder Einschränkungen lassen Sie das Gelenk untersuchen.
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