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Ratgeber · Schlaf

Zähneknirschen (Bruxismus): Ursachen, Schiene und Kosten in der Schweiz

Warum man nachts knirscht, woran Sie es merken, was eine Knirschschiene leistet und was sie kostet.

Dr. med. dent. Bodo S. von Gadomski Dr. med. dent. Bodo S. von GadomskiZahnarzt · Gründer der CMD-Klinik
10 Min. Lesezeit Knirschen · Pressen · Schiene
Inhalt · 10 Fragen
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Viele Menschen knirschen oder pressen, ohne es zu wissen. Oft fällt es erst über Folgen auf: Kopfschmerz am Morgen, ein steifer Kiefer, empfindliche Zähne. Hier steht, was dahintersteckt und was hilft.

Frage 01 von 10

Warum knirscht man nachts mit den Zähnen?

Kurz beantwortetMeist kommen mehrere Faktoren zusammen: Stress und Anspannung, schlechter Schlaf, manchmal Medikamente oder Genussmittel. Der Biss allein ist selten die Erklärung.

  • Stress und innere Anspannung: Der häufigste Verstärker. Viele knirschen in belasteten Phasen deutlich mehr.
  • Schlaf: Unruhiger Schlaf, Schnarchen und Atemaussetzer werden mit nächtlichem Knirschen in Verbindung gebracht.
  • Genussmittel: Alkohol, Nikotin und Koffein am Abend können das Knirschen verstärken.
  • Medikamente: Einige Medikamente, zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, können Knirschen begünstigen. Bitte nicht eigenmächtig absetzen, sondern mit der verordnenden Ärztin besprechen.
  • Veränderungen am Biss: etwa nach neuen Kronen oder Füllungen. Sie können beteiligt sein, sind aber selten die alleinige Ursache.

Fachlich unterscheidet man Knirschen im Schlaf und Pressen am Tag. Beides belastet Kiefermuskulatur und Kiefergelenke, hat aber oft unterschiedliche Auslöser.

Frage 02 von 10

Woran merke ich, dass ich nachts knirsche?

Kurz beantwortetAm Morgen: steifer oder müder Kiefer, Kopfschmerz an den Schläfen, empfindliche Zähne. Mit der Zeit: abgeschliffene Zahnkanten oder feine Risse im Zahnschmelz.

  • Kiefer fühlt sich morgens an, als hätten Sie die ganze Nacht darauf gebissen
  • Kopfschmerz oder Druck an den Schläfen schon beim Aufwachen
  • empfindliche Zähne bei Kälte, Süssem oder Saurem
  • abgeflachte Zahnkanten, Risse im Schmelz, abgebrochene Füllungen
  • Abdrücke der Zähne am Zungenrand oder eine Linie an der Wangeninnenseite
  • Ihre Partnerin oder Ihr Partner hört Sie nachts knirschen

Ob noch mehr dahintersteckt, zum Beispiel Beschwerden an Ohr oder Nacken, zeigt ein erster Selbsttest.

Frage 03 von 10

Ist Zähneknirschen schädlich?

Kurz beantwortetGelegentliches Knirschen ist häufig und nicht krankhaft. Regelmässig und kräftig kann es Zähne, Muskeln und Kiefergelenke überlasten.

Beim Knirschen wirken grosse Kräfte, oft über Minuten. Mögliche Folgen sind Abrieb und Risse an den Zähnen, schmerzende Kiefermuskulatur, Kopfschmerzen am Morgen und eine Überlastung der Kiefergelenke. Nicht jeder, der knirscht, hat Beschwerden.

Knirschen und Pressen sind die direktesten Anzeichen einer Überlastung des Kiefersystems und häufig der Motor hinter Kopf-, Ohr- und Nackenbeschwerden.

Frage 04 von 10

Hilft eine Knirschschiene?

Kurz beantwortetSie schützt die Zähne zuverlässig vor Abrieb. Die Ursache des Knirschens behandelt sie nicht. Ob eine andere Schiene sinnvoll ist, hängt vom Befund ab.

  • Knirscher- oder Schutzschiene: schützt die Zähne, verhindert das Knirschen aber nicht.
  • Aufbiss- oder Relaxierungsschiene: kann die Muskulatur entlasten und akute Beschwerden lindern.
  • Funktionsdiagnostisch geplante Schiene: wird auf Basis einer Messung von Bisslage und Muskelaktivität gefertigt, wenn das Kiefersystem an den Beschwerden beteiligt ist.

Eine Schiene aus der Drogerie oder dem Internet schützt nur. Wer mit Kopf-, Ohr- oder Nackenbeschwerden knirscht, sollte die Funktion messen lassen, bevor eine Schiene geplant wird. Mehr dazu: Ist es möglich, CMD ohne Schiene zu behandeln?

Frage 05 von 10

Was kostet eine Knirschschiene in der Schweiz?

Kurz beantwortetEinen Pauschalpreis gibt es nicht. Die Kosten richten sich nach Herstellung und Material und danach, ob der Schiene eine Funktionsmessung vorausgeht.

Der Preis hängt davon ab, wie die Schiene hergestellt wird, aus welchem Material sie ist und ob ihr eine Funktionsmessung vorausgeht. Eine reine Schutzschiene ist günstiger als eine Schiene, die nach einer Funktionsdiagnostik geplant wird.

In der CMD-Klinik erhalten Sie vor jedem Schritt eine Leistungsbeschreibung mit den Kosten. Mehr im Beitrag CMD-Behandlung: 15 Fragen.

Frage 06 von 10

Zahlt die Krankenkasse eine Knirschschiene?

Kurz beantwortetDie Grundversicherung in der Regel nicht, weil zahnärztliche Behandlungen nur in gesetzlich abschliessend aufgezählten Ausnahmefällen übernommen werden. Viele Zahnzusatzversicherungen beteiligen sich.

Fragen Sie vor der Anfertigung bei Ihrer Zusatzversicherung nach, mit einem Kostenvoranschlag der Praxis. Ärztlich verordnete Physiotherapie wird dagegen von der Grundversicherung übernommen. Details: Was übernimmt die Krankenkasse bei CMD?

Frage 07 von 10

Was hilft gegen Zähneknirschen ohne Schiene?

Kurz beantwortetVor allem das, was die Anspannung senkt: Stress abbauen, besser schlafen, abends weniger Alkohol und Koffein, und tagsüber die Zähne bewusst lösen.

  • Ruhelage tagsüber üben: Lippen zu, Zähne locker, Zunge am Gaumen. Wer tagsüber weniger presst, presst oft auch nachts weniger.
  • Abendroutine: Bildschirm früher aus, Wärme auf Kiefer und Nacken, sanfte Dehnung.
  • Stress bewältigen: Bewegung, Entspannungsverfahren, bei hoher Belastung psychologische Unterstützung.
  • Schlaf abklären lassen, wenn Sie schnarchen oder Atemaussetzer bemerkt werden.
  • Physiotherapie für Kau- und Nackenmuskulatur.

Übungen und Massagepunkte finden Sie im Beitrag CMD selbst lindern.

Frage 08 von 10

Ich presse tagsüber die Zähne zusammen. Was kann ich tun?

Kurz beantwortetSich das Pressen bewusst machen und es lösen: mit kleinen Erinnerungen im Alltag und der Ruhelage. In Ruhe berühren sich die Zähne nicht.

  • Kleine Erinnerungen setzen, etwa ein Punkt am Bildschirmrand oder ein Hinweis auf dem Telefon
  • bei jeder Erinnerung prüfen: Liegen die Zähne aufeinander? Dann lösen, ausatmen, Schultern sinken lassen
  • Situationen notieren, in denen Sie besonders pressen, etwa bei Konzentration, Ärger oder im Auto
  • beim Sport und beim Heben nicht die Zähne zusammenbeissen

Pressen am Tag hängt oft eng mit Anspannung zusammen. Ein Zusammenhang zwischen psychischer Belastung, Pressen am Tag und schmerzhafter CMD ist beschrieben.

Frage 09 von 10

Kann Zähneknirschen Kopf- und Nackenschmerzen verursachen?

Kurz beantwortetJa. Der Schläfenmuskel gehört zur Kaumuskulatur. Wer nachts knirscht, wacht häufig mit Kopfschmerz an den Schläfen oder einem verspannten Nacken auf.

Die Kiefermuskulatur arbeitet beim Knirschen stundenlang gegen sich selbst. Die Spannung überträgt sich auf Schläfen- und Kopfmuskeln. Kiefer und Halswirbelsäule werden zudem über gemeinsame Reflexe gesteuert, deshalb ist der Nacken oft mitbetroffen.

Plötzliche, sehr starke oder neuartige Kopfschmerzen gehören immer sofort ärztlich abgeklärt.

Frage 10 von 10

Ist Zähneknirschen bei Kindern normal?

Kurz beantwortetBei Kindern ist Knirschen häufig, besonders im Zahnwechsel, und verschwindet oft von selbst. Abklären lassen sollten Sie es bei Schmerzen, Kopfschmerzen, Mundatmung oder Schnarchen.

Bei Kindern verändert sich der Biss im Wachstum ständig, und Knirschen kann ein Teil davon sein. Hinweise, genauer hinzuschauen, sind morgendliche Kopf- oder Kieferschmerzen, starke Abnutzung der Zähne, Mundatmung, Schnarchen oder Unruhe in der Schule.

Die Kinderzahnärztin oder der Zahnarzt Ihres Kindes ist die erste Anlaufstelle.

Weitere Fragen, schon beantwortet

Grundlagen

  • Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), Art. 17–19 (zahnärztliche Leistungen)
  • Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD)
  • Übersichtsarbeiten zu Ätiologie, Chronifizierung und Haltung, wie auf unseren Seiten für Fachpersonen zitiert

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Abklärung. Kostenangaben sind Richtwerte; massgebend ist das Angebot Ihrer Praxis und die Auskunft Ihrer Versicherung.

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