Zum Inhalt springen
StartFür Fachpersonen › Schmerztherapie
Für die Schmerztherapie

Wenn der Schmerz längst eigenständig ist – und trotzdem einen Eingang hat

Sie sehen diese Menschen spät. Nach Jahren, nach vielen Vorbehandlern, mit einem Schmerz, der sich von seiner Ursache abgelöst hat. Genau darum ist die Frage nach dem Kiefersystem hier weder naiv noch verspätet.

Diese Patientinnen und Patienten kennen Sie

Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen ohne fassbares Korrelat. Ausgedehnte Druckschmerzhaftigkeit weit über die ursprüngliche Region hinaus. Schlechter Schlaf, hohe Katastrophisierungsneigung, ein langer Weg durch die Fachgebiete – und eine Vorgeschichte, in der irgendwann einmal „der Kiefer" erwähnt wurde, ohne dass jemand ihn untersucht hätte.

Der Zusammenhang

Was gemessen ist

Chronische CMD ist ein nociplastisches Schmerzbild

Die chronische kraniomandibuläre Dysfunktion wird heute als nociplastischer Schmerz mit zentraler Sensibilisierung eingeordnet. Damit steht sie in derselben Kategorie, in der Sie ohnehin arbeiten – und nicht in der zahnärztlichen Schublade „mechanisches Problem am Gelenk".

Die Chronifizierungsprädiktoren sind dieselben

Schmerz-Katastrophisieren und depressive Symptome sind die konsistentesten Prädiktoren für Schmerzpersistenz bei CMD. Der Referenzstandard DC/TMD führt deshalb eine zweite Achse: psychosoziale Belastung, Graduierung über den GCPS, Kieferfunktion über die JFLS. Ein CMD-Befund ohne Achse II ist ein halber Befund.

Psychologische Verfahren wirken hier so gut wie die Standardbehandlung

Bei schmerzhafter CMD senken psychologische Behandlungen die Schmerzintensität in ähnlicher Grössenordnung wie die zahnärztliche Standardbehandlung. Das ist kein Argument gegen die funktionelle Abklärung – es ist das Argument dafür, beides nebeneinander zu führen statt nacheinander.

Wo die Evidenz endet

Die Ätiologie der CMD gilt als multifaktoriell und biopsychosozial; die rein okklusale Erklärung ist überholt. Wir behaupten nicht, dass der Biss die Ursache eines chronifizierten Schmerzbildes ist. Wir behaupten, dass er ein zugänglicher, messbarer und beeinflussbarer Anteil daran sein kann – und dass sich das feststellen lässt, statt es zu vermuten.

Indikation

Wann eine Zuweisung etwas bringt

Sinnvoll

  • Kopf- und Gesichtsschmerz mit Kieferzeichen – Knacken, Bruxismus, eingeschränkte Mundöffnung, Druckschmerz der Kiefermuskulatur
  • Persistenz über drei Monate trotz leitliniengerechter Erstlinie
  • hoher GCPS-Grad bei unklarer peripherer Komponente
  • vor einer Eskalation der medikamentösen Therapie – zur Klärung, ob ein funktioneller Anteil unbehandelt geblieben ist

Nicht sinnvoll

  • als Ersatz für die schmerzmedizinische Führung – wir übernehmen sie nicht
  • bei ungeklärten Red Flags; die fachärztliche Abklärung geht vor
  • mit der Erwartung, eine zentrale Sensibilisierung über eine Schiene aufzulösen

Rollenteilung: Die Patientin bleibt in Ihrer Führung. Wir übernehmen den funktionellen Teil, messen ihn, melden ihn zurück – und überweisen zurück. Eine darüber hinausgehende Behandlung nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch.

Wie weiter

Drei Wege – Sie wählen

Ich will es genauer wissen

DC/TMD-Achse-II-Instrumente, unsere Messprotokolle und die Quellenlage im Volltext.

Ich habe eine Frage zu einem Fall

Rückruf durch den CMD-Spezialisten, nicht durch die Rezeption.

Frage stellen →

Ich möchte zuweisen

Telefonisch, per Mail oder per Brief – wie es Ihnen passt.

Zuweisung →